TAH vom 17. April 2009
Schüler machen Naziherrschaft in Holzminden greifbar

Holzminden. Jens Müller, Kolja Meier, Marlies Grebe, Hans-Joachim Sach, Dirk Papenberg, Carolin Klages und Kristina Michel bei der Scheckübergabe. Die Volksbank Weserbergland gibt einen Druckkostenzuschuss von 600 Euro.
Im Geschichtsunterricht des Campe-Gymnasiums entsteht ein Buch für den Geschichtsunterricht am Campe-Gymnasium
Holzminden (spe). „Unsere Stadt hat sich gerühmt, extrem schnell ,judenfrei‘ geworden zu sein, um den Ruf zu haben, eine der ,Vorzeigestädte‘ des Reiches zu sein. Man muss feststellen, dass in unserer Stadt Juden härter bestraft wurden, als in anderen deutschen Städten. Juden aus Holzminden wurden diskriminiert und wie Aussätzige behandelt. Sie wurden in den Tod geschickt. Doch wir können froh sein, dass zumindest acht Juden aus unserer Gegend die NS-Zeit überlebt haben und trotz allem nach Holzminden zurückgekehrt sind.“ Mit diesen Worten endet der Artikel „Die Judenverfolgung und Vernichtung zur Zeit des NS-Regimes in Holzminden“ von Vanessa Marx. Mit 16 weiteren Schülern des Geschichts-Grundkurses im 13. Jahrgang des Campe-Gymnasiums Holzminden hat Vanessa an dem Projekt „NS-Staat- und Stadtgeschichte – NS-Ideologie und Herrschaft in Holzminden“ gearbeitet. Jetzt soll daraus ein Buch für den Unterricht entstehen.
Das Projekt ist so innovativ wie wohl bundesweit einmalig, die Idee dazu hatte Geschichtslehrer Hans-Joachim Sach: Schüler der gymnasialen Oberstufe, die sich laut Lehrplan mit der Naziherrschaft in Deutschland zu befassen hatten, setzten die bundesweiten Ereignisse und Daten in den Kontext zu den lokalen in Holzminden. Für diesen lokalhistorischen Teil konnten die 17 Schüler auf die Unterstützung von Dr. Matthias Seeliger bauen und ausgiebig im Holzmindener Stadtarchiv recherchieren. Lehrer Sachs’ Idee war es, auf diese Weise ein Buch für den Geschichtsunterricht in der zehnten Klasse zu erstellen, verständlich von Schülern für Schüler geschrieben, das die deutsche Staats- und Holzmindener Stadtgeschichte der NSZeit gegenüberstellt. Jeder Schüler schrieb für das Schülerlehrbuch „NS-Staatund Stadtgeschichte“ zwei Artikel zu Themen wie „Ideologie und Wurzeln des Nationalsozialismus im Dritten Reich und Holzminden“, „NS-Herrschaft“, „Rolle der Justiz im Dritten Reich“, „Anpassung – Widerstand – Verfolgung und Vernichtung“ und „Emigration und Exil“. Ergänzt um Vor- und Nachwort, geschrieben von Lehrern und Redaktionsteam, wird aus diesem aufwändigen, den Rahmen des normalen Geschichtsunterrichts des 13. Jahrgangs sprengenden Projekt ein Buch mit rund 100 Seiten, das demnächst in einer Auflage von 500 Stück im Holzmindener Verlag Jörg Mitzkat erscheinen soll.
Und hier kommen der Heimat- und Geschichtsverein für Stadt und Landkreis Holzminden (HGV) sowie die Volksbank Weserbergland ins Spiel: Der HGV wurde angesprochen auf der Suche nach einem Finanzierungspartner für das ehrgeizige Buchprojekt. Und schnell hatte Vorsitzende Marlies Grebe mit der Volksbank Weserbergland in Holzminden einen lokalen Partner gefunden, der die lokalhistorische und pädagogische Bedeutung des Projekts sofort erkannte und spontan einen Druckkostenzuschuss von 600 Euro zusagte. Die Scheckübergabe fand jetzt im Haus der Volksbank Weserbergland statt. Das Geld stammt, wie Marketingleiter Dirk Papenberg erklärte, aus dem Zweckertrag des Gewinnsparens. „Wir haben keine Minute mit der Förderung gezögert. Es ist wichtig, dass die Ereignisse in den Köpfen der jungen Leute bleiben.“ Lehrer Hans-Joachim Sach ist voll des Lobes für seine Schüler. „Sie haben mit einem halben Jahr neben den regulären Unterrichtsthemen viel Zeit investiert, um Geschichte greifbar zu machen. Das kann man nicht mit jeder Klasse machen.“ Was seine Schüler drauf haben, wusste Sach aus der zehnten Klasse. Damals produzierte er mit einigen von ihnen eine Zeitung zum Thema „Drittes Reich“. Er wusste: „Wenn es jemand schaffen kann, dann diese Klasse.“ Das Ergebnis schließlich erfüllte alle Erwartungen. Sach schwärmt: „Das war für einen Grundkurs eine wahnsinnige Leistung. Das haben weder Lehrer noch Leistungskursschüler bisher geschafft.“ Was Lehrer und Schüler demnächst im Geschichtsunterricht des Campe-Gymnasiums in Händen halten werden, ist geeignet, Holzmindens unrühmliche Lokalgeschichte zwischen 1933 und 1945 greifbar zu machen, ist „Präventionsarbeit gegen neonationale Entwicklungen“, so Sach – und macht sehr nachdenklich. Die Schüler werden lernen, dass Holzminden sehr früh sehr braun war, dass es viele Täter und Mitläufer gab. HGV-Vorsitzende Marlies Grebe freut sich über den „Lückenschluss“, denn viele Vorkommnisse in Holzminden seien bislang nicht publiziert gewesen. Erhältlich ist das Buch für Eltern und Schüler erstmals am 28. Mai beim Tag der offenen Tür am Campe-Gymnasium.
Holzminden (spe). „Unsere Stadt hat sich gerühmt, extrem schnell ,judenfrei‘ geworden zu sein, um den Ruf zu haben, eine der ,Vorzeigestädte‘ des Reiches zu sein. Man muss feststellen, dass in unserer Stadt Juden härter bestraft wurden, als in anderen deutschen Städten. Juden aus Holzminden wurden diskriminiert und wie Aussätzige behandelt. Sie wurden in den Tod geschickt. Doch wir können froh sein, dass zumindest acht Juden aus unserer Gegend die NS-Zeit überlebt haben und trotz allem nach Holzminden zurückgekehrt sind.“ Mit diesen Worten endet der Artikel „Die Judenverfolgung und Vernichtung zur Zeit des NS-Regimes in Holzminden“ von Vanessa Marx. Mit 16 weiteren Schülern des Geschichts-Grundkurses im 13. Jahrgang des Campe-Gymnasiums Holzminden hat Vanessa an dem Projekt „NS-Staat- und Stadtgeschichte – NS-Ideologie und Herrschaft in Holzminden“ gearbeitet. Jetzt soll daraus ein Buch für den Unterricht entstehen.
Das Projekt ist so innovativ wie wohl bundesweit einmalig, die Idee dazu hatte Geschichtslehrer Hans-Joachim Sach: Schüler der gymnasialen Oberstufe, die sich laut Lehrplan mit der Naziherrschaft in Deutschland zu befassen hatten, setzten die bundesweiten Ereignisse und Daten in den Kontext zu den lokalen in Holzminden. Für diesen lokalhistorischen Teil konnten die 17 Schüler auf die Unterstützung von Dr. Matthias Seeliger bauen und ausgiebig im Holzmindener Stadtarchiv recherchieren. Lehrer Sachs’ Idee war es, auf diese Weise ein Buch für den Geschichtsunterricht in der zehnten Klasse zu erstellen, verständlich von Schülern für Schüler geschrieben, das die deutsche Staats- und Holzmindener Stadtgeschichte der NSZeit gegenüberstellt. Jeder Schüler schrieb für das Schülerlehrbuch „NS-Staatund Stadtgeschichte“ zwei Artikel zu Themen wie „Ideologie und Wurzeln des Nationalsozialismus im Dritten Reich und Holzminden“, „NS-Herrschaft“, „Rolle der Justiz im Dritten Reich“, „Anpassung – Widerstand – Verfolgung und Vernichtung“ und „Emigration und Exil“. Ergänzt um Vor- und Nachwort, geschrieben von Lehrern und Redaktionsteam, wird aus diesem aufwändigen, den Rahmen des normalen Geschichtsunterrichts des 13. Jahrgangs sprengenden Projekt ein Buch mit rund 100 Seiten, das demnächst in einer Auflage von 500 Stück im Holzmindener Verlag Jörg Mitzkat erscheinen soll.
Und hier kommen der Heimat- und Geschichtsverein für Stadt und Landkreis Holzminden (HGV) sowie die Volksbank Weserbergland ins Spiel: Der HGV wurde angesprochen auf der Suche nach einem Finanzierungspartner für das ehrgeizige Buchprojekt. Und schnell hatte Vorsitzende Marlies Grebe mit der Volksbank Weserbergland in Holzminden einen lokalen Partner gefunden, der die lokalhistorische und pädagogische Bedeutung des Projekts sofort erkannte und spontan einen Druckkostenzuschuss von 600 Euro zusagte. Die Scheckübergabe fand jetzt im Haus der Volksbank Weserbergland statt. Das Geld stammt, wie Marketingleiter Dirk Papenberg erklärte, aus dem Zweckertrag des Gewinnsparens. „Wir haben keine Minute mit der Förderung gezögert. Es ist wichtig, dass die Ereignisse in den Köpfen der jungen Leute bleiben.“ Lehrer Hans-Joachim Sach ist voll des Lobes für seine Schüler. „Sie haben mit einem halben Jahr neben den regulären Unterrichtsthemen viel Zeit investiert, um Geschichte greifbar zu machen. Das kann man nicht mit jeder Klasse machen.“ Was seine Schüler drauf haben, wusste Sach aus der zehnten Klasse. Damals produzierte er mit einigen von ihnen eine Zeitung zum Thema „Drittes Reich“. Er wusste: „Wenn es jemand schaffen kann, dann diese Klasse.“ Das Ergebnis schließlich erfüllte alle Erwartungen. Sach schwärmt: „Das war für einen Grundkurs eine wahnsinnige Leistung. Das haben weder Lehrer noch Leistungskursschüler bisher geschafft.“ Was Lehrer und Schüler demnächst im Geschichtsunterricht des Campe-Gymnasiums in Händen halten werden, ist geeignet, Holzmindens unrühmliche Lokalgeschichte zwischen 1933 und 1945 greifbar zu machen, ist „Präventionsarbeit gegen neonationale Entwicklungen“, so Sach – und macht sehr nachdenklich. Die Schüler werden lernen, dass Holzminden sehr früh sehr braun war, dass es viele Täter und Mitläufer gab. HGV-Vorsitzende Marlies Grebe freut sich über den „Lückenschluss“, denn viele Vorkommnisse in Holzminden seien bislang nicht publiziert gewesen. Erhältlich ist das Buch für Eltern und Schüler erstmals am 28. Mai beim Tag der offenen Tür am Campe-Gymnasium.
